Hingabe ist Luxus?

Vielleicht kennst Du das: Du willst Dich Hingeben, Du Willst Vertrauen, Du Willst Dein Potenzial Leben - aber es klappt einfach nicht. Vielleicht steht es Dir einfach nicht zu?

Das dachte ich auf jeden Fall - 

31 Jahre lang.


Loslassen. Vertrauen. Hingabe. 

Das alles sind weibliche Qualitäten, in jedem Menschen. 


Wenn dein Körper nicht loslässt, sucht er vielleicht noch nach Sicherheit.


Stell dir vor, du lebst in einem Kriegsgebiet.


Dann ist die wichtigste Frage deines Tages nicht, wie erfolgreich du bist, wie schön du strahlst oder ob du dein volles Potenzial ausschöpfst.


Die wichtigste Frage lautet:


Bin ich sicher? Überlebe ich?


Alles in dir richtet sich nach dieser Frage aus.


Selbst in den Momenten, in denen gerade keine unmittelbare Gefahr besteht, bleibt die Alarmbereitschaft bestehen. 


Denn wenn du in einem Kriegsgebiet gelebt hast, verschwindet die Gefahr nicht einfach aus deinem System, nur weil es für einen Moment ruhig wird.


Du kannst kurz durchatmen, aber tief in dir bleibt die Wachsamkeit bestehen. 

Dein Körper bleibt vorbereitet. 

Dein Nervensystem bleibt auf Schutz eingestellt.


Warum?


Weil Überleben wichtiger ist als Entspannung.

Und genau deshalb würde dein Körper niemals leichtfertig Energie verschwenden. 

Er würde Ressourcen schützen, Reserven bewahren und alles dafür tun, dass du auch morgen noch die Kraft hast, dich in Sicherheit zu bringen.


Viele Menschen leben in einem inneren Krieg. 


Sie kämpfen täglich mit Stress, Ängsten, Druck, Selbstzweifeln, finanziellen Sorgen, ungelösten Konflikten oder den Folgen von Erfahrungen, die ihr System geprägt haben. 


Von außen wirkt das Leben oft ganz normal. Doch innerlich herrscht ein Zustand ständiger Wachsamkeit.

Und solange dein Körper glaubt, dass du noch mitten in diesem Kampf bist, wird er sich entsprechend verhalten.


Er wird festhalten statt loslassen. 

Er wird schützen statt verändern. 

Er wird Sicherheit über Leben stellen.


Du wirst immer wieder Situationen anziehen die Wachsamkeit erfordern und deinem System den Krieg bestätigen.


Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum Veränderung manchmal so schwerfällt. 

Warum Menschen sich fragen, weshalb sie trotz aller Disziplin nicht nach ihren Träumen leben, warum sie sich nicht entspannen können, warum sie immer wieder an dieselben Grenzen stoßen.


Vielleicht liegt die Antwort nicht in noch mehr Anstrengung.

Vielleicht liegt sie in Sicherheit.


Genau das durfte ich während einer Zeremonie auf einer Ebene erfahren, die weit über ein mentales Verstehen hinausging.


Ich wurde zu dem Thema Weiblichkeit geführt. 


Immer wieder wurde ich eingeladen, diese weibliche Energie in mir zu spüren - Weichheit, Empfangen, Hingabe, Vertrauen, Fließen, Leben.


Zunächst glaubte ich, es würde darum gehen, diese Qualitäten einfach mehr zuzulassen.


Doch die Zeremonie zeigte mir etwas ganz anderes.

Sie zeigte mir, warum ich es nicht vollständig konnte.


Immer wieder kam ich an einen Punkt, an dem mein Körper begann, sich zu öffnen. 

Ich konnte spüren, wie etwas in mir weicher wurde. Wie Kontrolle nachließ. 

Wie sich ein Raum auftat, in den ich hätte hineinfallen lassen können. Und auch meine Freude darauf.


Doch genau in diesen Momenten passierte etwas.

Noch bevor ich mich vollständig hingeben konnte, schoss eine Welle durch meinen Körper.


Nicht als Gedanke.

Nicht als Erinnerung.

Sondern als reine Körperreaktion.


Mein Brustkorb spannte sich an. 

Mein Bauch zog sich zusammen. 

Mein Nervensystem fuhr hoch. 


Es war, als würde ein innerer Alarm ausgelöst werden.


Etwas in mir sagte:

Nicht weiter.

Bleib wach.

Bleib aufmerksam.

Verlier die Kontrolle nicht.


Ich analysierte nichts.

Mein Körper erinnerte sich.


Er erinnerte sich an einen Zustand, den mein Verstand längst vergessen hatte.

Es kamen Bilder, Gefühle und Körperempfindungen aus früher Kindheit.

 

Vor allem aber tauchte ein bekanntes Gefühl auf: die Notwendigkeit, wachsam zu sein.


Ich spürte, wie selbstverständlich mein System gelernt hatte, Räume zu scannen, Spannungen wahrzunehmen, Stimmungen zu lesen und immer ein Stück weit vorbereitet zu sein.


Nicht weil etwas falsch mit mir war.


Sondern weil diese Wachsamkeit einmal intelligent war.

Weil sie einmal Sicherheit bedeutet hatte.


In diesem Moment verstand ich etwas Entscheidendes:

Mein Problem war nie mangelnde Hingabe.

Mein Nervensystem hatte einfach gelernt, dass vollständige Hingabe gefährlich ist.


Dass Loslassen riskant ist.


Dass Entspannung ein Luxus ist, den man sich nicht leisten kann.


Und plötzlich ergaben so viele Dinge in meinem Leben Sinn.


Die Momente, in denen ich kurz vor echter Nähe zurückwich.


Die Momente, in denen ich Kontrolle behalten wollte.


Die Momente, in denen ich mich nach Leichtigkeit sehnte, sie aber nicht halten konnte.


Die Momente, in denen ich spürte, dass etwas fließen wollte, und dennoch innerlich stoppte.


Die Momente in denen ich mich komplett Sicher fühlte und plötzlich im außen etwas geschah, dass mir zeigte: Ne ne, du musst wachsam bleiben. Du bist nie sicher. 

Wie zu letzt ein versuchter Einbruch in einer Zeit, in der ich mich tatsächlich komplett sicher fühlte. 


Im Körper gespeichert. Immer wieder wiederholt und bestätigt - wachsam sein zu müssen.


Es war kein Mangel an Wille.

Es war ein Schutzmechanismus.

Ein alter Überlebensimpuls.


Während der Zeremonie durfte dieser Impuls sich zeigen. 

Nicht nur einmal, sondern immer wieder. Schicht für Schicht.


Es war, als würde mein Körper all die Spannung freigeben, die er über Jahre getragen hatte.


Es kamen Tränen.

Es kamen Schreie.

Es kamen Wellen von Trauer, Angst und Erschöpfung.


Nicht dramatisch.

Nicht inszeniert.

Sondern organisch.


Als würde etwas, das viel zu lange gehalten worden war, endlich die Erlaubnis bekommen, sich zu bewegen.


Und unter all diesen Schichten lag etwas, das ich kaum beschreiben kann.


Eine tiefe Form von Gehaltensein.

Nicht durch einen Menschen.

Nicht durch einen Gedanken.

Sondern durch das Leben selbst.


Zum ersten Mal spürte ich nicht nur mit meinem Verstand, sondern mit jeder Zelle meines Körpers:


Ich bin sicher.

Ich muss nicht mehr aufpassen.

Ich muss nicht mehr kämpfen.

Ich muss nicht mehr ständig bereit sein.

Ich darf loslassen.

Ich darf mich hingeben.

Ich darf weich werden.


Und ich bin trotzdem sicher.


Vielleicht ist genau das Heilung.


Nicht, dass wir vergessen, was war.

Sondern dass unser Nervensystem langsam lernt, dass das, was einmal notwendig war, heute nicht mehr notwendig ist.


Dass der Krieg vorbei ist.


Und dass wir nicht länger überleben müssen, um leben zu dürfen.

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